Die Horden sind los. Maskenmann an Karneval, sb
Maskenmann mit Hörnern an Karneval

Geschichte des Kölner Karnevals

Jeck war Köln schon im Mittelalter. Doch nicht alle haben gerne mitgefeiert, weder die Preußen noch die Franzosen noch so mancher Kleriker. Ein Grund mehr, sich heute noch als Napoleon oder Bischof zu verkleiden.

Narren und Masken im römischen Köln

In Köln herrschte schon immer jeckes Treiben. Zu Agrippinas Zeiten feierte die römische Bevölkerung im Dezember die Saturnalien. Herren und Diener tauschten die Rollen und eine Art Karnevalsprinz, der saturnalicus princeps, regierte in der Stadt. In dieser Zeit bechert der Römer, was das Zeug hält. Allerdings noch Wein, kein Kölsch.

Zu Ehren der Göttinnen Isis und Kybele finden Maskenumzüge in Colonia Claudia Ara Agrippinensium statt. Wegen Isis, zuständig für Schifffahrt, schleppt der Römer außerdem Wagen in Schiffsgestalt durch Köln. So ein carrus navalis hat dem Karneval jedoch nicht seinen Namen gegeben. Der stammt von carne vale: Fleisch, lebe wohl.

Winter weg plus Hungerkur gleich Fastelovend

Neben Römern machen auch Germanen gerne mal einen drauf. Zum Frühlingsbeginn treiben sie die Wintergeister von dannen. Und weil die christlichen Missionare den Heiden ihre Feste partout nicht vermiesen können, verpasst die Kirche den Feiertagen einfach ein neues Kleidchen.

Neben vielen hübschen neuen Festtagen bringt das Christentum auch den ersten Diätwahn nach Köln: das Fasten. Nach Mariä Lichtmess am 2. Januar gehts los bis Laetare, dem heutigen Karnevalssonntag. Dann dürfen Mönch und Bettelmann eine Fastenpause einlegen, wenn es denn finanziell geht. Aus dem Fest der Winteraustreibung wird der Vastavent, der Tag vor Beginn der nächsten Zwangsdiät. Und der ist schon damals der Tag vor Aschermittwoch. Das kölsche Wort Fastelovend ist entsprechend aus dem Vastavent entstanden.

Pfaffen, Gaffeln, Trommelwirbel

Die Nonnen und Mönchen der vielen Klöster und Stifte feiern schon mal vor. Zur Pfaffenfastnacht, der heutigen (Alt-)Weiberfastnacht, wählen sie sogar einen Narrenbischof. Das einfache Volk veranstaltet nach wie vor Maskenumzüge zum Winterende. Das wird dem Missionar Bonifazius schließlich zu bunt. Im Jahr 742 verbietet der „deutsche Apostel“ das Treiben sogar, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg.

Ab dem 12 Jh. begreift selbst die Kirche: gegen alte Bräuche ist kein Kraut gewachsen. Kurzerhand akzeptiert sie Narrenspiele, Umzüge und allerlei Schabernack vor Beginn der österlichen Fastenzeit.

Über die Jahre treiben es die Kölner immer wilder. Im Spätmittelalter kümmern sich dann die Gaffeln um die alten Bräuche. Organisation? Schnick Schnack. Jeder feiert wie er will. Die Gesellen ziehen durch die Stadt mit Trommeln und Pfeifen und führen wilde Tänze auf. Die Obrigkeit ist sauer. Immer wieder verbietet sie Mummereien, Gelage, Tänze und Schabernack. Erfolglos.

Du kannst es nicht verbieten, sie hören Dir nicht zu

Im 17. Jahrhundert ziehen bereits Umzüge mit Musik durch Köln. Während der Karnevalstage arbeiten die Domstädter nicht. Sie tanzen und zechen auf den Straßen oder veranstalten prächtige Bälle. 1736 zelebrieren Adlige und Patrizier am Kölner Neumarkt den ersten Maskenball nach venezianischem Vorbild, eine sogenannte Redoute.

1794 besetzt der Franzose Köln. Nach guter alter Tradition der jeweiligen Obrigkeit verbietet er das närrische Treiben. Nach ebenso guter alter Tradition scheitert er damit. Jetzt lassen es die Kölner erstmal ordentlich krachen. Befreit von den Regeln der Kirchen, Zünfte und Patrizier, gerät der Fastelovend außer Kontrolle. Auf den Straßen herrscht die ausgelassenste Anarchie.

D´r Zoch kütt

1815 übernehmen die Preußen das Zepter im Rheinland und stehen unter Schock, als sie in Köln ihren ersten Fastelovend erleben. Das zügellose Treiben muss ein Ende haben! Doch ein erneutes Verbot wollen die Kölner nicht. 1823 gründen sie das erste Festordnende Komitee. Die preußischen Ordnungshüter sind zufrieden.

Voller Elan macht sich das junge Komitee an die Arbeit. Rosenmontag kütt dr Zoch das erste Mal und dreht eine Runde um den Neumarkt. Bauer und Jungfrau fehlen noch. Und statt Prinz regiert Held Carneval. Natürlich bedanken sich die Jecken ordentlich bei den Preußen: Sie nehmen sie fortan kräftig auf die Schippe.

Klüngel unter der Narrenkappe

Bei den Komitee-Sitzungen halten die Mitglieder Reden auf dem Narrenstuhl (heute: Bütt oder Büttenreden) und bekommen ab 1824 sogar den ein oder anderen Orden. Bei ihren Treffen trinken sie Bier, während die Band in die Trompeten bläst.

Ab 1927 tragen alle dieselbe Mütze. Frei nach dem Motto: gleiche Brüder, gleiche Kappen. Vielleicht war der Franzose doch etwas zu lange in Köln ... Aus der Sitzungs-zeit jedenfalls, mit vielen großen Bällen zwischen Drei Königen und Aschermittwoch, wird später die Session.

1923 erblickt auch der erste große Traditionsverein das Licht des Kölner Globus: Die Roten Funken. Ehrensache, dass sie bei der Premiere vom Rosenmontagszug dabei sind. Eine wahre Gründungswelle an Vereinen folgt. Heute klüngeln Kölner in über 100 Gesellschaften: Korps- und Komiteegesellschaften sowie Veedelsvereine.

Jungfrau, Kölscher Buur und leichte Mädchen

1883 (a.A. 1872, 1870) bekommt Held Carneval Gesellschaft. Zusammen mit den kölschen Symbolfiguren Bauer und Jungfau bildet er das Dreigestirn, das Trifolium, die heilige Dreifaltigkeit des Kölner Karnevals. Die Jungfrau steht für Colonia. Ihre Krone symbolisiert die uneinnehmbare Stadtmauer. Natürlich ist der organisierte Karneval reine Männersache. Für die Rolle der Jungfrau schlüpft jede Session ein Kerl in Frauenklamotten und schwitzt unter einer blonden Zopfperücke wie ein Affe. Naja, fast jede Session. Die Nazis setzten zum Entsetzen der Kölner 1938 und 1939 eine Frau ein!

Auch die Funkenmariechen sind zunächst männlich. Es sind schwere Kerle, die leichte Mädchen spielen: Marketenderinnen aus dem Dreißigjährigen Krieg. Das änderte sich erst ab den 1930er Jahren. Übrigens heißt das Funkenmariechen manchmal auch Regimentstochter, beim Reiterkorps Jan von Werth sogar immer noch Marketenderin.

Stunk gegen Prunk

Über die Jahre bleibt es nicht bei einem Rosenmontagszug. Die Kölner Jecken erfinden immer neue Auswüchse. So kommen die Schull- und Veedelszöch und viele Vorortszüge dazu. 1991 fiel der Rosenmontagszug wegen des Golfkriegs aus. Zu dumm, den bereits im Jahr zuvor hatten die Prunkwagen wegen Orkan Vivien nicht durch die Stadt rollen können. Die Jecken auf Entzug rufen daher prompt einen Geisterzug ins Leben. Dieser ist seitdem ein weiterer fester Bestandteil im Kölner Karneval. Nur 2012 fiel er aus. Wegen der hohen Sicherheitsauflagen aufgrund des Loveparade-Unglücks.

Studenten der Kölner Fachhochschule bringen 1983 frischen Wind in den Sitzungskarneval. Gemeinsam mit dem Kabarettisten Jürgen Becker rufen sie die Stunksitzung in Leben, eine Anspielung auf die organisierte Prunksitzung. Die Akteure nehmen seither Politik, Kirche und natürlich der organisierte Karneval mit seinen Traditionsvereinen kräftig auf die Schippe, mit großem Erfolg und Jahr für Jahr musikalisch begleitet von der Band Köbes Underground. (sb)

Nach oben

Bewerte diese Seite

 
 
 
 
 
 
 
Bewerten
 
 
 
 
 
 
2 Bewertungen
100 %
1
5
5
 

Nach oben

zählmarke
Karl Küpper © Kölner Karnevalsmuseum
Karl Küpper © Kölner karnevalsmuseum, Foto: Ricarda Alder

Karneval unterm Hakenkreuz - Artikel über die wenig rühmliche Kölner Zeit von 1933 bis 1945: mehr

Un wer wor et schuld: dä Nubbel

Ein weiterer alter Brauch ist die Nubbelverbrennung am Veilchendienstag. Der Nubbel ist eine Strohpuppe, bekleidet und manchmal mit gefährlichem Schabernack wie Sylvesterböllern gefüllt. Während der Session hängt er in vielen Kölner Kneipen. Seine Aufgabe: Sündenbock sein.

Bevor er in der Nacht vor Aschermittwoch in Flammen aufgeht, bekommt er eine Grabrede. Dabei muss der arme Strohkerl die gesamte Verantwortung für alle Verfehlungen übernehmen. Sein Vorgänger kommt übrigens von den Jahrmärkten und hieß Zacheies. Die Nubbelverbrennung wird in Köln seit Beginn des 19. Jahrhunderts zelebriert.

 

Lippenstift an Karneval, tb
Frau mit Lippenstift an Karneval in Köln

Schnipp schnapp – Krawatte ab

Wenn an Weiberfastnacht die Frauen und Mädchen die Macht übernehmen, dann geht’s den Männern an den Kragen. Genauer gesagt an die Krawatte, die die Damen einfach abschneiden. Erst seit 1945 übrigens, behaupten manche. Andere halten das für eine alte Kölner Sitte. Hiernach rissen sich die Frauen früher gegenseitig die Hauben vom Kopf – der Mötzebestohl. Als ihnen das zu langweilig wurde, kam der Krawattenkult auf. Noch eine noch andere Version besagt: Krawatte ab ist ein Symbol für Schwanz ab, also die Entmachtung der Männer an Altweiber. Doch Vorsicht Ladys, nicht immer bleibt die Krawatten-Schnibbelei ungestraft. Das Essener Landgericht verurteilte eine Arbeitnehmerin hierfür vor einigen Jahren sogar zu Schadenersatz.

Venezianische Maske, sb
Goldene Maske aus Venedig

©  2017 Redaktion Köln