Albert Sánchez Piñol stellt während der lit.COLOGNE sein Buch Der Untergang Barcelonas vor, tb
Albert Sánchez Piñol mit Schauspieler Dominic Raacke und Journalist Paul Ingendaay

22.03.2015

Der Untergang unserer Partnerstadt Barcelona

Der Bestseller Victus des Autors Albert Sánchez Piñol über Kölns Partnerstadt Barcelona ist in Spanien bereits 400.000 mal verkauft worden. Im Verlag Fischer läuft er unter dem Namen Der Untergang Barcelonas. Eine Rezension nach einem Treffen mit dem Spanier während der lit.COLOGNE.

11. September 1714. Barcelona liegt in Schutt und Asche. Das spanische Militär hat die katalanischen Widersacher besiegt. 20.000 der 50.000 Bewohner sind tot. Und Kataloniens Hauptstadt wie die ganze Region von nun an ein Teil Spaniens. Der Autor Albert Sánchez Piñol (*1965) hat einen 720 Seiten dicken Roman über die damaligen Ereignisse verfasst und gehört seither zu den bekanntesten Autoren des Landes. In Köln, Barcelonas Partnerstadt seit 1984, hat er das Buch im März 2015 vorgestellt.

Zuvi, die Festungsanlagen und der Krieg

Umringt von dem Journalisten Paul Ingendaay und dem Schauspieler Dominic Raacke erzählte Piñol auf dem Literaturschiff: Ich bin Anthropologe, und Militärgeschichte hielt ich für totlangweilig. Doch die Recherche hat mir gezeigt: Die Welt vor 300 Jahren ist eine brisante Wissenschaft für sich. Der historische Roman sei nach langjähriger Forschung in Archiven entstanden, auf Spanisch, nicht wie früher auf Katalanisch.

Hauptfigur des Romans ist Zuvi, ein rotzfrecher Bengel mit Spitznamen Langbein, der durch einen Zufall Schüler des Stars der Festungsanlagen wird: Vauban. Er lernt viel von den Franzosen, bis er selber Kriegsanlagen entwickelt. Und schließlich mit ansieht, wie seine Stadt untergeht am Horrortag 11. September. Albert Sánchez Piñol hat die Umstände minutiös recherchiert. Der Anthropologe taucht ein in eine vergangene Gesellschaft voller Ideale, Irrtümer, Rationalität und Glaubenswahn. In Köln sagte er während der lit.Cologne: Zuvi lebte in einer Gesellschaft, in der die strukturierte Statik der Festungsanlagen neben kriegerischem Wahn existierte, in der Strategen den Krieg bestimmten, während der irre König Felipe im fernen Madrid gerne in Särgen nächtigte.

Historische Fakten statt politisches Statement

Das Datum 11. September 1711 ist bis heute hochbrisant. Denn seither wollen viele Katalanen ihre Unabhängigkeit zurück. 2014 gab es massive Proteste, an denen sogar Bayern-Trainer Pep Guardiola teilnahm. Die Katalanen verbieten kastilische Barnamen und den Stierkampf, hassen Real Madrid und wollen unter sich sein. Da hätte es nahegelegen, dass der Autor ins selbe Horn bläst. Doch so einer ist Piñol nicht. Genau das tut seinem Roman gut. Er beschreibt minutiös den Klang der Kasernengänge, den Schrei der Soldaten, Szenerien in den Kampfgräben. Er beleuchtet die kastilische wie die katalanische Sicht und ist nicht parteiisch. Zum Glück. Denn antispanische Literatur gibt es in Barcelona en masse.

Erst die Fabelwesen, dann der Erfolg

Kurios ist der Werdegang des Autors. Der Wissenschaftler hat früher Bücher im Stil eines Bulgakov verfasst: Fantasiewesen, die auf die Realität stoßen. Eines seiner besten Bücher dieser Art ist Im Rausch der Stille. Doch Erfolg hat er erst jetzt mit Victus. So sehr, dass Piñol inzwischen an einem Fortsetzungsroman arbeitet.

Fazit: Wer sich für Kataloniens Geschichte interessiert, wird den Untergang Barcelonas mögen.

Autor: Albert Sánchez Piñol
Titel: Der Untergang Barcelonas
Roman, Hardcover    
Übersetzerin: Susanne Lange
Lektorin: Isabel Kupski
Preis € (D) 24,99 | € (A) 25,70 | SFR 35,50
ISBN: 978-3-10-061607-4

Bewerte diese Seite

 
 
 
 
 
 
 
Bewerten
 
 
 
 
 
 
5 Bewertungen
88 %
1
5
4.4
 

©  2017 Redaktion Köln  

Werbung KIK Kurse