Cologne Pride, Foto: Volker Glasow, v v g - koeln
Cologne Pride, Foto: Volker Glasow, v v g - koeln

I am what I am: Kölner CSD für mehr Toleranz

Bunt, laut, schrill. Aber auch die Demonstration mit wichtiger politischer Botschaft. Der Christopher Street Day (CSD) in Köln lockt jedes Jahr hunderttausende Besucher an. Im Einsatz für mehr Toleranz. Und dabei fast kultiger als der Rosenmontagszug.

„Du bes Kölle, du bes super tolerant“, heißt es in einem Lied der Bläck Fööss. Und ja, wenn man an Köln denkt, dann doch zuerst an eine menschenoffene Stadt mit Multikulti-Charakter. Mit einer homosexuellen Bevölkerung von etwa 10 Prozent gilt die Domstadt als Hochburg für Menschen mit LGBTI-Hintergrund, das Kürzel für lesbian, gay, bisexual, transgender und intersexual. Dennoch fühlen sich genau die noch häufig beleidigt und ausgegrenzt. Und der Vormarsch konservativer politischer Bewegungen zeigt: Toleranz scheint auch für manche Kölner noch immer ein Fremdwort zu sein. Umso wichtiger ist es, Tabus aufzubrechen und der Außenwelt zu demonstrieren: Ich bin, wie ich bin. Ich bin stolz auf meine sexuelle Identität und habe das Recht zu lieben, wen ich will. Denn Liebe ist doch was Schönes und soll gelebt und nicht versteckt werden, oder?

Kondome statt Kamelle

Genau deshalb treffen sich jedes Jahr so viele zu dieser bunten Parade. Der Kölner CSD lockt bis zu 1 Million Besucher an und stellt damit den Rosenmontagszug in den Schatten. Mit etwa 140 bunten Wagen, bunten Musicacts und dem jeck kostümierten Fußvolk hat die Parade tatsächlich etwas Karnevalistisches. Doch der CSD wirbt dabei sehr ernst für Toleranz. Statt Kamelle gibt’s Kondome.

Die erste Parade 1991 lief unter dem Motto „Jot Fründe kumme zosammen“. Seither wird der CSD vom Kölner Lesben und Schwulentag e.V. (kurz KLuST) organisiert. Über 150 Ehrenamtliche sind gemeinsam mit ein paar Hauptamtlichen ein ganzes Jahr lang mit der Planung des „Cologne Pride“ beschäftigt. Die Parade mit anschließender Kundgebung ist nur der Höhepunkt des politischen Straßenfestes. Dazu kommen Parties, Konzerte, Lesungen, Diskussionsrunden und künstlerischen Darbietungen. Jeder Programmpunkt ist Ausdruck der politischen Ziele und Forderungen der Cologne Pride: Die Gesellschaft stärker zu sensibilisieren, Diskriminierung abzubauen und die Rechte der LGBTI-Community zu stärken.

Der lange Weg zu weltweiter Toleranz

Der CSD entstand aus dem Christopher Street im New Yorker Lesben- und Schwulenviertel Greenwich Village. Am 28. Juni 1969 stellten sich hier Homo-, Bi- und Transsexuelle gegen die Brutalität der Polizei. Mit Folgen. In Gedenken an den Aufstand bildete sich ein Jahr später das Christopher Street Liberation Day Commitee heraus, das seither die jährliche „GayPride“ in New York ausrichtet. Heute gibt es weltweit Ableger der Gaypride-Bewegung – von Oslo bis Tel Aviv. Nicht fehlen darf dabei Gloria Gaynors Hit „I am what I am“, die Hymne der LGBTI-Bewegung.

Mit einer knappen Million ist der Kölner CSD mit Abstand die größte CSD-Parade der Bundesrepublik und belegt europaweit Platz 3. Die weltweit größte Parade findet sich mit drei Millionen Besuchern im brasilianischen Sao Paolo. In vielen anderen Ländern hingegen werden LGBTI-Menschen weiterhin politisch verfolgt, darunter in Nigeria, dem Iran und ausgerechnet dem knallbunten Jamaika. Paraden im Kontext des CSD sind hier verboten. Notfalls hagelt es Schlagstöcke. Auch hier haben die zahlreichen GayPride-Paraden einen politischen Auftrag: Sie stehen ein für eine Welt voller Akzeptanz und Gleichberechtigung. Für eine Liebe über die Grenzen hinaus. Weil wir eben so sind, wie wir sind.

Text: Katharina Lang

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