Karikatur: Silke Büscher
Alchimist mixt allerlei Zutaten zu Likör

Dunk dem Likör

Was passiert eigentlich, wenn eine Kölner Brauerei eine Prominente für Werbung nutzt, ein Gebräu nach ihr benennt, einen Pressetermin mit ihr anberaumt? Und dabei versehentlich einen Journalisten einlädt, der so gar nicht auf die Gästeliste gehört? Das hier.

Es ist ein neuer Spiristuss auf dem Markt: Klebekuss heißt der. 15 Prozent Alkohol, etwas Pflaume, etwas Birne und eine rosa Mädchenaufschrift. Oder wie die Produzenten schreiben: „Die Spirituose kombiniert köstliche Rheinland-Pflaumen mit leckerer Birne und hat milde 15 % Alkohol, der zweifach destilliert wurde“.

Da Alkohol und Zucker eine Fettleber verursachen, stand für uns sofort fest: Das ist relevant. Ein Nachrichtenfaktor. Eine journalistische Pflicht, die User und Leser darüber nicht in Unkenntnis zu lassen.

PR-Agentur lädt Büscher ein und wieder aus

Der Michael von einer Kölner Agentur hat uns die Einladung zur Produktwerbung geschickt. Eine Agentur, die sagt, sie weiß wie Journalisten ticken. Zum „Thekengespräch“ mit der Promifrau daselbst. In eine Domstadt-Brauerei. Gerne mit Fotografen.

Aber klar: In der Bar unterhalten wir uns ständig mit Comedians. Über Pussyterror, Tote Funken, illegale Preisabsprachen, Bundeskartellamt, Bier, Bitches, Birnen, Damengedeck, Sozialsphäre, Hitler und Rumpelstilzchen. Und Helene Fischer.

Wir sind schließlich die vom Köln Reporter. Wir sollten ein Anmeldeformular ausfüllen. Mit Vor- und Nachnamen, unserem Medium, der Redaktions-E-Mail. Haben wir gemacht. Und abgeschickt. Am nächsten Tag dann die Antwort-Mail: Unsere Redaktion sei nicht erwünscht. Wir müssen draußen bleiben. Haben wir da aus der Wäsche gegafft. Und uns ein Mühlen genehmigt.

Selbst Düsseldorf war besser informiert ...

Die Antwort wörtlich:

"Lieber Herr Büscher, vielen Dank für Ihr Interesse. Leider kann ich Ihnen keine Zusage zur Teilnahme geben. Ich bitte das zu respektieren. Grüße, Michael B"

Der Michael, der hat, glauben wir, den Namen Köln Reporter gegoogelt und festgestellt: Seine Werbe-Ikone und unsere Redaktion, das sind keine wirklich guten Freunde. Etwas spät hat er das gemerkt. Denn alle haben darüber berichtet: Der Spiegel (3/2017), das Oberlandesgericht Köln, die BILD in Berlin und: Hammer jetzt: die Rheinische Post aus Düsseldorf.

Pointe statt Schnaps

Der Michael war dann aber so lieb und hat uns nach dem Pressetermin gleich mehrere Bilder geschickt vom Event. Kein Witz. Von der Flasche. Von der Frau. Was der Michael selbst geschossen hat. Wahrscheinlich weil sonst keiner da war. (tb)

Süß: Kebekus (von Gaffel), Foto Busemann, Gaffel
Süß: Kebekus (von Gaffel), Foto Busemann, Gaffel

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