St. Pantaleon Köln, Cornelia Bremer
St. Pantaleon Köln

St. Pantaleon: Kölns älteste romanische Kirche

St. Pantaleon ist die älteste der zwölf romanischen Kirchen Kölns. Sie ist sogar die älteste Pantaleonkirche westlich von Byzanz. Neuer dagegen sind die Debatten um das Gotteshaus. Denn es ist mit Opus Dei eng verbunden, was in der Vergangenheit schon für einigen medialen Wirbel gesorgt hat.

Die Autos hupen, Bahnen fahren im Minutentakt vorbei. Es ist laut, es ist bunt, es ist mitten in Köln: zwischen der Ulrepforte und dem Barbarossa Platz. Versteckt unter hohen uralten Bäumen und hinter eine Mauer liegt ein Bauwerk mit einer sehr langen Geschichte. Beginnen wir mit dem Namensgeber der Kirche, dem Heiligen Pantaleon. Er kommt Mitte des 3. Jhds in Nikomedia zur Welt, dem asiatischen Teil der heutigen Türkei.

Der Sohn einer Christin und eines Heiden bekommt Unterricht von Kaiser Maximians Arzt Euphrosynos und vom Presbyter Hermolaus, der ihn an den christlichen Glauben heranführt. Als Pantaleon schließlich ein totes Kind nach einem Schlangenbiss ins Leben zurückholt, tauft ihn Hermolaus zum Christen.

Milch, die aus dem abgetrennten Kopf tropft

Pantaleon wird Leibarzt von Kaiser Diokletians und bleibt dennoch Christ. Der Regent lässt ihn deshalb enthaupten. Kurz vor Ausführung der Strafe am 27. Juli 305 ruft Pantaleon Gott an, er möge den Peinigern verzeihen. Daraufhin, so die Legende, ertönt eine Stimme aus dem Himmel: Dein Name sei jetzt Pantaleimon, damit Name und Tat in Einklang stehen. Der „ganze Löwe“ ist fortan für die Gläubigen der „ganz Barmherzige“ - aus der Wunde des abgetrennten Kopfes tropft Milch, kein Blut. Er stirbt als Märtyrer für seinen Glauben.

Die Verehrung des Pantaleon nimmt inzwischen Formen an. Seit dem 4. Jahrhundert verehrt ihn vor allem die östliche Kirche. Justitian I. (482-565 n. Chr.) lässt ihm zu Ehren eine Kirche in Konstantinopel weihen. Und wer wird das kultische Zentrum? Köln. Um 866 n. Chr. entsteht das erste Pantaleon-Patrozinium auf ostfränkischem Boden. „Schön zu sehen, wie viele Christen aus dem osteuropäischen Raum jedes Jahr zu uns pilgern, um die Reliquien Pantaleons zu ehren“, erzählt Pfarrer Hildebrandt.

Kaiserin Theophanu stiftet die Reliquien

Erzbischof Bruno von Köln, der Bruder von Kaiser Otto dem Großen, ermöglicht durch eine Stiftung im Jahre 957 den Bau von St. Pantaleon. Damit ist sie die älteste Pantaleonskirche westlich von Byzanz. Und die Verbindung zum oströmischen Reich begleitet die Kirche am Rhein weiter. Denn Kaiserin Theophanu, Frau von Kaiser Otto II, bringt die Reliquien des Heiligen nach Köln. Auf ihren ausdrücklichen Wunsch bleiben ihre sterblichen Überreste in St. Pantaleon und liegen bis heute in einem weißen Sarkophag in einem Seitenschiff der Basilika. Erzbischof Bruno wiederum liegt in der Krypta von St. Pantaleon.

Rettungsaktionen im 2. Weltkrieg

Ähnlich wie auch der Kölner Dom nimmt St. Pantaleon im 2. Weltkrieg schweren Schaden. Das Dach sowie ein Teil der Außenmauern und der Innenausstattung fallen dem Krieg zum Opfer. Wertvolle Decken- und Wandmalereien sind für immer zerstört. Und doch schafft es die Kirchenführung, wertvolle Teile durch Auslagerung zu retten oder sie zu schützen. So bleiben die Schreine, der Hochaltar und der Lettner unversehrt. Von den zwölf romanischen Kirchen Kölns ist St. Pantaleon damit die mit der reichsten Innenausstattung.

Pantaleon und das Werk Gottes

Am 27. Januar 2008 übernimmt Dr. Volker Hildebrandt sein Amt als Pfarrer der Gemeinde St. Pantaleon. Er steht wie auch sein Vorgänger in der Tradition des Opus Dei. Seit 1987 liegt die Seelsorge der Pfarrei in den Händen der sogenannten Personalprälatur Opus Dei, denn der damalige Kölner Erzbischof Josef Kardinal Höffner vertraut diesem dem Werk Gottes an.

Pfarrer Hildebrandt versteht seine Arbeit als „Hilfe zum glücklichen Leben“. Er betreue Paare, die heiraten möchten über mehrere Wochen, lasse sie in Seminaren die Bedeutung von Achtung und Respekt vor dem anderen vertiefen. Von Scheidung hält er gar nichts. „Eine Ehe ist nicht einfach. Ein Mal in der Woche bitte ich die Paare, alles außer Acht zulassen und sich nur auf sich zu konzentrieren.“ Und weiter: „Ich will die Paare auf eine Ehe für immer vorbereiten. Die Familie ist gewissermaßen ein Beruf, an dem jedes Paar hart arbeiten muss!"

„Flammende Rede des gestrengen Pfarrers“

Der Geistliche ist gebürtiger Kölner, Jahrgang 1953. „In meinen Adern fließt auch kaschubisches Blut!“ Sein Vater stammt aus einer Gegend um Danzig, ist preußischer Offizier. „Meine Entscheidung stand schon als 10jähriger fest: Ich wollte Priester werden. Was für meinen Vater erst nicht leicht war.“ Pfarrer Hildebrand liebt diesen Ort, an dem St. Pantaleon steht. „Ich kann die Geschichte spüren, die unseren Glauben hier lebendig hält.“ Und: „Wir wollen junge Menschen in unserer Gemeinde begrüßen können“. Das Durchschnittsalter liegt ihm zufolge bei 35.

Doch ganz so friedlich ging es hier nicht immer zu. Als sein Vorgänger Pfarrer Peter von Steinitz 2006 gegen den Koran wetterte und offenbar Opus-Mitglieder im großen Stil um sich versammelte, machte das auch das Magazin Spiegel zum Thema. Die Flammende Rede des gestrengen Pfarrers habe die Gläubigen sehr irritiert. Und dann wörtlich: „Nur eine kleine Schar Franziskanerinnen, seit Jahrzehnten auf dem Gelände sesshaft, leistet stillen Widerstand gegen das neue Treiben." Doch auch das ist längst Geschichte. Aus den Räumen im Kirchen-Seitentrakt, wo die Franziskanerinnen einst wohnten, sind nach elf Jahren Leerstand inzwischen Wohnungen entstanden. Kernsaniert.
(Cornelia Bremer/Tobias Büscher)

Adresse St. Pantaleon

Katholische Kirchengemeinde St. Pantaleon

Am Pantaleonsberg 8
50676 Köln

Tel. 0221-316655
Fax 0221-319130

E-Mail: sankt.pantaleon(via)outlook.de

www.sankt-pantaleon.de

Öffnungszeiten St. Pantaleon

Mo-Fr: 9-19 Uhr
Sa, So: 9:30-19.30 Uhr

Gottesdienste haben Vorrang.

Gruppenführungen ab 8 Personen nach Anmeldung.
Keine Führung während der Beichtzeiten:
10-17 und 17-18 Uhr.

Glaubenskurse

Mit EVEN bietet St. Pantaleon auch einen Glaubenskurs für junge Erwachsene an. Und verlinkt sogar auf einen Beitrag des Online-Portals Firstlife dazu.

Das wiederum erlangte zweifelhafte Bekanntheit durch einen Beitrag des Nachrichten-Magazins Spiegel. Der berichtete 2016, die Redaktion von Firstlife habe seinen jungen Reportern die eigenen Nähe zu Gruppen wie Opus Dei verschwiegen. 

Alle Glaubenskurse von St. Pantaleon

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