Bonner Sage von Wind und Teufel, Zeichnung: Julia Schulz
Der Bönnsche Wind, Zeichnung

Der Bönnsche Wind

Bonn ist kein Vorort von Köln, wie manche behaupten. Die Rheinauen, die Museumsmeile und viele historische Gebäude sind einen Ausflug in die ehemalige Bundeshauptstadt wert. Doch wer durch die schönen Straßen und Gassen flaniert und sich an dem Anblick der Jugendstilhäuser erfreut, sollte vorsichtshalber seinen Hut festhalten. Zumindest, wenn man an eine ganz bestimmte alte Sage glaubt …

„Es muss wohl mit dem Teufel zugehen!“, so stöhnt mancher Bonner, wenn eine Windböe an seiner Mütze zerrt, am Regenschirm rüttelt, dass der sich biegt oder gar den Blumentopf vom Fenstersims schubst. Und damit hat er gar nicht Unrecht! Es hat wirklich etwas mit dem Teufel zu tun. Doch wenn Du Dir nun vorstellst, wie der rote Bösewicht mit dem Pferdefuß den Wind regiert und böswillig die Menschen ärgert, dann täuschst Du Dich.

Zwei Freunde op jück

Zu einer Zeit, als noch lange niemand an Dich dachte und die Menschen an Geister und Kobolde glaubten, da gingen zwei Freunde gemeinsam spazieren. Der eine war der Wind, der andere der Teufel. Sie hatten sich auf der Walpurgisnacht kennengelernt. Die Hexen hatten nämlich den einen um einen Sturm für ihren Besentanz gebeten, den anderen um ein Höllenfeuer.

Über die Warnungen vor der Unberechenbarkeit seines neuen Freundes konnte der Wind nur lachen, schließlich war er ja selbst ein luftiger Geselle. Nun traf man sich also häufig zu einem Ausflug. Und ein solcher führte die beiden Freunde eines Tages auch nach Bonn.

Bonner Sage von Wind und Teufel, Zeichnung: Julia Schulz
Bonner Sage von Wind und Teufel, Zeichnung: Julia Schulz

Der Teufel und die Menschen

„Was für hübsche kleine Gassen es hier doch gibt!“ staunte der Wind und fuhr fröhlich um die Häuser mit ihren Erkern herum. Erker, das sind kleine Vorbauten, die wie hübsch verzierte Türme aussehen und sich in Bonn auch heute noch an so mancher Hausfassade finden.

Der Teufel, der eine Weile schweigend neben seinem wirbelnden Freund her gelaufen war, blieb auf einmal wie angewurzelt stehen. „Was ist denn das für ein Gebäude?“ fragte er.

Der Wind hielt inne: „Das ist das Jesuitenkloster!“ erklärte er. „Dort leben die Geistlichen und erziehen Kinder in der Klosterschule“. „Ich wurde nie zu ihnen eingeladen!“ stellte der Teufel überrascht fest. Der Wind lachte. „Nun“ sagte er „kann es wohl sein, dass Du bei den Gottesfürchtigen keinen besonders guten Ruf hast?“.

Der Teufel war erstaunt und beschloss, sich unter einer Jesuitenkutte zu verstecken und das Kloster zu besuchen, um seinen guten Ruf wieder herzustellen.

Der Wind in den Gassen

„Wartest Du hier bitte kurz auf mich?“ bat der Teufel den Wind. „Es dauert nicht lange. Ich bin gleich zurück!“. Damit huschte er durch das große Tor und ließ seinen Freund draußen stehen.

Du kannst Dir sicherlich denken, dass es so schnell dann doch nicht ging. Der Wind wartete und wartete und aus Langeweile warf er ein paar Blumentöpfe um. Durch das Fenster sah er seinen Freund mit den Klosterbrüdern sprechen, aber auch auf sein Rütteln an den Fensterläden reagierte der Teufel nicht. Noch heute ist der Satan damit beschäftigt, die Menschen für sich zu gewinnen.

Und der Wind? Der kommt noch immer regelmäßig nach Bonn und schaut geduldig nach, ob sein Freund nun endlich fertig ist und sie ihren Spaziergang fortsetzen können. An solchen Tagen kann einem Bonner schon mal der Hut vom Kopf fliegen. Nur selten einmal reißt dem Wind der Geduldsfaden. Dann ist allerdings besondere Vorsicht geboten! Ein Sturm zieht auf, wenn er sich ärgert: Darüber, dass er einem Freund einst das Versprechen gab, mal kurz zu warten … (Julia Schulz)

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