Figuren des Hänneschen-Theaters in Köln, rdb
Figuren des Hänneschen-Theaters

Weihnachten im Hänneschen

Ende 2013 war Weihnachtsmärchenzeit im Hänneschen. Klein wie Groß rückten auf den rotlackierten Holzbänken zusammen. Es war tierisch was los im ausverkauften Traditionstheater am Eisenmarkt. "Kreppche em Zoo" hieß das neue Stück. Köln Reporter war bei der Premiere dabei. Und durfte sogar einen Blick 'hinger d'r Britz' werfen.

Helle Aufregung im Kölner Zoo: Drei Königspinguine haben sich davon gemacht. Doch die wollen nicht etwa nach Madagaskar, sondern in die Altstadt. Die drei Flattervögel haben nämlich gehört, wie die Menschenkinder zur Weihnachtszeit immer ganz begeistert von einer "Krippe" sprechen. Deshalb wollen sie so ein Ding endlich selbst sehen. Und den, der da in dem "Kreppche" liegen soll. Tierpfleger Tünnes und Zoodirektor Schäl machen sich auf die Suche nach den Ausreißern. Zur gleichen Zeit sind auch drei hochgestellte orientalische Politiker unterwegs in die Domstadt, die die Gebeine ihrer berühmten Vorfahren im Kölner Dom besuchen wollen.

En hillige Fastelovendszoch

Am Ende treffen sich Knollendorfer und 'Imis' im Zoo. Als sich dort zufällig ein Ehepaar mit Baby und Kinderwagen dazu gesellt, ist der "hillige Fastelovendszoch" komplett. Doch nicht die Weisen aus dem Morgenlande überreichen dem vermeintlichen Christuskind die Gaben, sondern die "Heiligen Drei Königspinguine". Stolz schenken die Vögel, was sie zuvor den Knollendorfern stibitzt haben: Kies, Flönz un en Muhr. Also: holländisches Gold, eine Blutwurst und statt Myrrhe... eine Möhre. Über der ganzen Szene schwebt ein Engelchen - oder ist es doch nur ein Nordlicht? - und die Weihnachtsillusion ist perfekt.

Intendantin in Aktion
Intendantin in Aktion
Krippe mit Figuren
Krippe mit Figuren
Pinguine in Aktion
Pinguine in Aktion

Ping, Ping… Pinguin-Alarm!

Dies ist in Kurzform der Inhalt von "Kreppche em Zoo" (geschrieben von Hans A. Birkhäuser). Doch es wäre kein echtes Hänneschen-Stück, wenn da nicht viel mehr geschehen würde. Kleine Reibereien und pointenreiche Dialoge mit den Knollendorfer Originalen. Insbesondere Hänneschen, Bärbelchen und ihre Freunde spielen in dem Stück eine wichtige Rolle. Auch Speimannes, der Bestemo und die Bestema dürfen nicht fehlen. Ping, ping, ping: sollen die Kinder rufen, sobald sich die flüchtigen Pinguine zeigen, bittet Zoodirektor Schäl. Und die kleinen Gäste tun es mit Inbrunst. Die Stimmung auf den roten Bänken ist ausgelassen. Manche Anspielung auf aktuelle Themen, wie den Bischof von Limburg, erschließt sich freilich nur den Großen.

Die Kölner Altstadt: ein Winternachtstraum

Doch die satirischen Seitenhiebe gehören bekanntlich unverzichtbar zu den jährlich insgesamt sechs Inszenierungen. Ebenso die Gesangseinlagen. Eine fünfköpfige Combo begleitet auch diesmal durch das Stück. Immer wenn sich der Vorhang auf eines der insgesamt drei Bühnenbilder öffnet, gehen kleine und große Aahs durch den Saal. Die handgemalten Prospekte, der perspektivisch gemalte Hintergrund, sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Insbesondere das zweite Bild, mit der verschneiten Kulisse von St. Maria im Kapitol, verzaubert die Zuschauer. Wenn dann die Lichtregie die Bühne abendlich ausleuchtet, wird es für Momente ganz still.

Zwei Neue hinger d’r Britz

Für viele Kinder ist das Hänneschen ihre erste Theatererfahrung. Oma bringt den Enkel mit und sorgt so dafür, dass die Kölschen Verzällcher lebendig bleiben. So war es auch bei Georg Lenzen (47). Der Schauspieler, der von Willy Millowitsch entdeckt wurde und zuletzt in einem Stück von Yasmina Reza auf der Bühne stand, ist einer der beiden Neuzugänge im Ensemble seit November. Nun steht er hinger d'r Britz und spielt den Schäl. Ein Traum geht in Erfüllung. Ebenso für Ex-Stunksitzungs-Präsidentin Katja Solange Wiesner (40). Die gebürtige Kölnerin, deren Vater aus Kamerun stammt, spricht und spielt das Engelche im Stück. Das weist allen den rechten Weg zum "Kreppche em Zoo", mit Navi von ganz oben im Ohr. Keiner der beiden hatte vorher Erfahrung mit dem Puppenspiel. Das sei durchaus die Regel, so Intendantin Frauke Kemmerling. Trotz Premierenstress nimmt sie sich vor Beginn der Vorstellung noch Zeit für ein kurzes Interview.

Drei Jahre bis zum Hänneschen-Diplom

"Es gibt keine wirkliche Ausbildung zum Puppenspieler. Das nötige Handwerkszeug lernen die Spieler hier bei uns." Drei Jahre dauere es, bis sie alle Kniffe beherrschen. Mitbringen müssen sie jedoch Bühnenpräsenz und eine prägnante Stimme. Und natürlich alle sattelfestes Kölsch sprechen. 16 Puppenspieler sind heute Abend im Einsatz. Sie haben buchstäblich beide Hände voll zu tun. "Mit einer Hand am Stab, mit der anderen muss die gesamte Persönlichkeit der Figur herüberkommen", so Kemmerling. Und das gelingt den Akteuren auch diesmal glänzend.

Intendantin Frauke Kemmerling
Intendantin Frauke Kemmerling vom Hänneschen-Theater in Köln
Bärbelchen und Hänneschen
Bärbelchen und Hänneschen mit Schneemann
Hinter den Kulissen
Hinter den Kulissen

Dafür sorgt neben einer intensiven Probenarbeit die regelmäßige Anleitung durch erfahrene Mitglieder des Ensembles. "Puppenführungs-Unterricht" lautet der etwas sperrige Fachbegriff für das Ausdrucks- und Bewegungstraining. Man wundert sich trotzdem, wie es bei dem Treiben oben untennicht ständig zu Zusammenstößen kommt. Kurz vor der Veranstaltung darf ich selbst für ein paar Minuten hinter bzw. unter die Bühne. Trotz Premierenstress herrscht eine fröhliche Atmosphäre. Hier geht beim Auf- und Umbau jeder konzentriert seinen Aufgaben nach. Man merkt bald: das ist nicht nur ein eingespieltes Team, sondern eine regelrechte Familie.

Die neue Chefin von Knollendorf

Übernommen hat Frauke Kemmerling die Intendanz des "Kölsch Hännesche Thiater zick 1802" (so die Eigenschreibweise) erst 2012. Mit dessen Arbeit und wechselhafter Geschichte vertraut war sie jedoch bereits aus zwanzig Jahren freier Mitarbeit. Sogar ein Buch über die Bühne, die der Bonner Johann Christoph Winters einst in der Lintgasse gründete, hat sie verfasst. "Hänneschen - das ist der Job meines Lebens", bekannte sie kurz nach ihrer Nominierung. Eine echte Imi-Karriere. Denn geboren ist sie 1967 in Hardenberg bei Osnabrück. Doch bereits als Studentin kam Kemmerling nach Köln und fand schnell den Weg ins Haus am Eisenmarkt. Routiniert und bestimmt gibt sie beim Pressetermin Anweisungen, wie sich die einzelnen Akteure am besten für die Fotografen positionieren. "Mit der Zeit entwickelt man ein sehr persönliches Verhältnis zu den Spielern wie den Figuren". Aus Reihe 5 verfolgt sie dann mit kritischem Blick die heutige Premiere, nimmt die Stimmung im Publikum auf. Schließlich ist "Kreppche em Zoo" ihre erste Stückregie für die Puppenspiele der Stadt Köln. Die Pänz im Saal unterstützt sie bei den "Ping"-Rufen.

Super ausgelastet und doch entspannt

Nach gut 90 kurzweiligen Minuten ist der Spaß vorbei. Das Publikum strömt zurück in das bereits weihnachtlich dekorierte Martinsviertel. Die "Chefin von Knollendorf" - "wie se mich jedäuf han" - wirkt sichtlich entspannt. Sorgen um die Auslastung ihrer Bühne muss sie sich auch keine machen. Die lag zuletzt bei durchschnittlich 88 Prozent. Die Kölner bleiben dem Hänneschen un singem Schmölzche treu. Insgesamt 270 Vorstellungen pro Spielzeit soll es auch in Zukunft geben. Fast alle sind eh ausverkauft, Monate im Voraus (der Vorverkauf beginnt im April). Das gilt auch für das Weihnachtsmärchen. Trotzdem nachfragen. Vielleicht ist ja doch noch ein Plätzchen auf einer der roten Bänke unbesetzt geblieben.


Text und Fotos von unserem Redakteur Roberto Di Bella

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Spielplan 2014

Adresse
Hänneschen Theater
Puppenspiele der Stadt Köln
Eisenmarkt 2-4
50667 Köln

Preise
Kinder 11,50 €
Erwachsene 16 €


Aktuelle Stücke: www.haenneschen.de