Gereon – Wahrheit oder Legende

Kölns Schutzheiliger Gereon soll aus Ägypten gekommen sein. Bei Köln starben er und seine Männer angeblich den Märtyrertod. Doch kaum jemand weiß, das die Legende im Schmelztigel der europäischen Geschichte entstanden ist.

Was ist der Ware Kern, haben wir uns gefragt und die Einzelheiten einmal gründlich unter die Lupe genommen.

Ägyptisches in Köln

Der Bischhof Eucherius aus Lyon erwähnt eine Legio Thebaica erstmal im 5. Jh.. Wissenschaftler bezweifeln allerdings ihre Existenz. Ägypten, Heimat der koptischen Christen, wird um 300 nach Christus von der Legio II Traiana fortis besetzt. Stationiert ist diese in Nicopolis nahe Alexandria, nicht in Theben. Auch die angebliche Legionsstärke von über 6000 Mann ist unwahrscheinlich. Normal waren 1000 bis 2000 Soldaten pro Legion. Weiter erwähnt Eucherius militärische Ränge, die es bei den Legionen nicht gab. Zu allem Überfluss war es um 300 gar nicht mehr üblich, ganze Legionen zu versenden.

Klügelnde Kriegslist

Wahrscheinlich hat die thebäische Legion also nie existiert. Manche Forscher behaupten, ihre Geschichte sei als Kriegslist erfunden worden. 394 kam es zwischen Theodosius I und Eugenius zum Krieg. Eugenius und sein ungläubiger Herrmeister Arbogast sollten zu Christenverfolgern und Gottlosen stilisiert werden, um die ägyptischen Truppen nahe Octodurum auf die Seite Theodosius I zu ziehen. Gesichert ist diese These allerdings nicht.

Wer hats erfunden? Die Schweiz!

Laut Bischof Eucherius fand des Gemetzel in der heutigen Schweiz statt. Maximian lagerte in Octodurum. Seine Legion verweigerte das vom Kaiser geforderte Götteropfer und zog nach Agaunum weiter. Führer der Legion war Maurizius, Träger der Heiligen Lanze. Maximianus ließ als Strafe die Soldaten erst dezimieren, schließlich sogar alle töten.
Die Geschichte verbreitete sich. Am Niederrhein verschmelzen Teile der Handlung mit Geschichten von regionalen Soldatenmärtyrern. Bonn, Xanten und Köln bekommen Ihre Version der Heiligenlegenden.

Der Name Gereon taucht übrigens erstmals im 7. Jh. auf. Die Zahl seiner Soldaten hat Symbolkraft. Auch Abraham hatte 318 Getreue (Genesis 14, 14).

Isisaltar in der Sakristei

Helena, Mutter des Kaisers Constatin, ließ laut der Legende die Kirche über dem Brunnen bauen. Tatsächlich stammen die ältesten Teile der Basilika aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhundert. Da war Helena allerdings bereits tod (336). Vor der Gereonskirche stand an diesem Ort ein Isis-Altar. Dieser wurde 1950 entdeckt und befindet sich in der heutigen Sakristei.

Römische Nekropole

Wie nahe der Ursula-Kirche entdeckten die Kölner auch bei St. Gereon reichlich Material für Reliquien. Kein Wunder, dann dort befand sich ebenfalls eine römische Nekropole. Die Unmengen an Knochen schienen im Mittelalter den Wahrheitsgehalt der Gereonlegende zu stützen.

Norbert von Xanten und die fränkischen Gebeine

Norbert von Xanten veranlasste 1121 Reliquiengrabungen im Ovalbau der Gereonskirche und hatte Erfolg. Die Toten waren reich geschmückt und prächtig gekleidet. Der Heilige Gereon und seine Begleiter waren gefunden, dachten jedenfalls die Menschen im Mittelalter. Was sie nicht wussten: Römische Legionäre kamen nicht so prächtig ausstaffiert in die Grube. Vermutlich waren die Toten in Wirklichkeit Franken.

Norbert von Xanten war mit dem Fund hochzufrieden. Die Gebeine der Märtyrer waren ein toller Anlass, die Kirche zu erweitern. Das entsprach seinen Wünschen und war wohl auch der Anlass für die Grabungen.

1190 werden die Gebeine der Märtyrer in die Krypta überführt, 1191 der Gereonsaltar geweiht. (sb)

Teil 1: Gereon von Köln

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