Kallendresser von Ewald Mataré am Altermarkt (tb)
Kallendresser von Ewald Mataré am Altermarkt (tb)

Der Kallendresser vom Alter Markt

Am Alter Markt, oder Aldermaat, steht das Haus Nr. 24. Und wer nach oben blickt, schaut auf das nackte Hinterteil eines Mannes. Der ist natürlich kein wirklicher Mensch, aber ein echt kölsches Symbol. Von seinem hohen Platz aus scheißt der Kallendresser auf alles: den Alter Markt, das Rathaus, den Kölner Klüngel und überhaupt …

Der Name Kallendresser heißt übersetzt Regenrinnenkacker. Über seine Identität rankt sich so manche Geschichte. So auch folgendes Märchen:

Das Märchen vom Kallendresser Jupp

Es war einmal vor langer, langer Zeit. Da lebte in Köln ein wunderschönes Mädchen namens Marie. Gemeinsam mit Ihren Eltern wohne Sie in einem schmalen, hohen Haus am Alter Markt.

Und wie es der Zufall wollte, wohne unterm Dach ein junger Burschen. Der hieß bei allen nur der dicke Jupp, weil er für sein Leben gerne aß. Schon lange hatte er sich in die hübsche Marie verguckt, aber die hatte keine Augen für den grobschlächtigen, fetten Jungen, der gerne mit derben Worten um sich schmiss.

Neuer Lover mit cooler Mucke

Doch Jupp war nicht der Einzige, der heimlich in Marie verliebt war. Der Musiker Pitter hatte beim Tanz sein Herz an die blondgelockte Schönheit verloren und war fest entschlossen, sie für sich zu gewinnen. Kurz entschlossen packte er seine Trompete ein und zog am nächsten Abend zum Alter Markt.

Unter Ihrem Fenster im zweiten Stock machte er den Trompetenkasten auf, nahm das Instrument heraus und spielte für seine Angebetete ein Lied nach dem anderen. Die Nachbarn lauschten andächtig, so schön war die Musik anzuhören. Und Marie schaute aus dem Fenster und lächelte ihm zu.

Schluss mit Musik

Nur einer war von dem Treiben auf der Straße so gar nicht begeistert: Der dicke Jupp. Er riss das Fenster auf, und brüllte: „Aufhören! Schluss mit dem Lärm!“. Aber die Nachbarn rief er zurück: „Halt den Rand Junge!“ und „Du störst, Du fetter Sack!“. Pitter indes warf Marie einen Handkuss zu und zog von Dannen.

Ein bisschen traurig war die Marie schon. Die Musik hatte ihr nämlich gut gefallen und der Pitter mit seinen dunklen Haaren auch. Heimlich hoffte sie, dass der schöne Trompeter wiederkommen würde. Auf den Jupp allerdings war sie richtig sauer.

Jupp sinnt auf Rache

Am nächsten Abend stand Pitter wieder vor Maries Fenster und schmettere die Melodien nur so heraus. Marie lächelte und die Nachbarn freuten sich über die schöne Musik.

Das war zu viel für den dicken Jupp. Er sann auf Rache. Doch erst als das Schauspiel vor dem Haus ein Ende hatte, kam ihm nach dem zehnten Kölsch eine Idee. Na, der würde sich wundern … und die Marie würden ihren neuen Tuppes bestimmt nicht mehr so toll finden …. und überhaupt …

Volltreffer

Am folgenden Tag machte sich der Pitter bei Einbruch der Dunkelheit paraat. Kaum begann unten die Musik, zog er die Hose runter und hängte sein Hinterteil aus dem Dachfenster. Hingebungsvoll spielte Pitter gerade eine wunderbare Liebesballade, da machte es PLOPP. Die Töne erstarben und ein ekelhafter Gestank zog dem jungen Musiker in die Nase. Entsetzt enteckt er er den Haufen Scheiße im Trompetenrohr.

Oben im Fenster über der Regenrinne indes schob der Jupp sein nacktes Hinterteil schnell wieder nach Drinnen. Volltreffer, dachte er. Der kommt sicher nie mehr wieder und nimmt mir die Marie weg.

Drauf geschissen

Doch da hatte er sich gründlich geirrt. Am nächsten Abend spielte Pitter wieder vor dem Haus. Allerdings stand er dieses Mal an einer anderen Stelle. Jupp hatte das nicht gesehen. Flöck riss er sich die Butze vom Hintern, streckte den Po aus dem Fenster und ließ der Natur freien lauf. Aber die Musik hörte nicht auf. Die Ladung hatte nicht den Musiker, sondern nur die Straße getroffen.

So ging es weiter, Abend für Abend. Pitter spielte, Jupp schiss. Natürlich ärgerten sich die Anwohner über den Dreck auf der Straße. Eines Tages brachte Jupp das Fass allerdings zum Überlaufen. Und das kam so ...

Der Aal op d´r Kopp

Der Pitter schmetterte gerade ein Liebeslied durch die Posaune und Jupp zog wieder mal die Buxe runter. Doch auf der sonst menschenleeren Straße war die alte Frau Schmitz gerade auf dem Heimweg. Wegen der schönen Musik blieb sie kurz stehen, zubbelte an ihrem Haarnetz, da plötzlich traf sie etwas auf dem Kopf. Ein Blick auf das Häufchen, ein weiterer nach oben auf den nackten Arsch vom Jupp und der Übeltäter stand fest. Das war denn doch zu viel! Fluchend zog die Alte von dannen und zur nächsten Wache.

Am nächsten Morgen verhaftete die Stadtwache Jupp, warfen ihn in den Turm und machten der Geschichte ein Ende. Doch die Richter ließen Gnade walten. Jan musste Besserung geloben und durfte wieder heim. Die Marie bekam er allerdings nicht. Die heiratete den Pitter und lebte mit ihm glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Vom Scheißtyp zur Ikone

Die Kölner Bürger indes sagten sich: Der hat´s richtig gemacht. Es hat ihm nicht gepasst, also hat er drauf geschissen. Das machen wir auch so – nur symbolisch. Sie machten den Kallendresser zu einer ihrer Symbolfiguren. Die hat es dadurch sogar mehrfach auf den Rathausturm geschafft. (sb)

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Kallendresser in Köln (tb)
Kallendresser in Köln (tb)

Was Kellendresser bedeutet

Kallendresser heißt Dachrinnenscheißer oder Regenrinnenkacker. Das kommt von Kall: die Dach- oder Regenrinne und Dress, einem derben Kölner Wort für Mist, Scheiße oder Dreck.