Konrad Beikircher ist ganz seiner Meinung, Foto beikircher.de
Konad Beikircher

Konrad Beikircher: Im Rheinland isset schön

Grau gewelltes Haar, dunkelbraune Augen unter leicht hochgezogenen Brauen, das Lächeln halb ironisch, halb verschmitzt, so präsentiert sich Kabarettist Konrad Beikircher dem Publikum. Seine Persönlichkeit kommt aber erst richtig zur Geltung, wenn er Geschichten in rheinischer Mundart erzählt.

Konrad Johann Aloysia Beikircher erblickt 1945 in in Bruneck (Südtirol/Italien) als jüngster von drei Brüdern das Licht der Welt. Da liegt ihm das Rheinland noch ebenso fern wie das Berufsziel Kabarettist. Doch immerhin sein Mittelname hat etwas Komödiantisches. Bezeichnet er doch ganz nebenbei einen Zitronenstrauch, dessen Blätter einen appetitanregenden und verdauungsfördernden Tee ergeben.

Vom Knast zum Kabarett

Der kleine Konrad ist musikalisch, spielt mit vier Jahren Klavier. Als Achtjähriger entdeckt er seine Liebe zur Geige und will sie später sogar zum Beruf machen. Er lebt eine Weile in Österreich, macht dort Abitur und zieht dann ins Rheinland. Am 19. Oktober 1965 um 16:04 Uhr kommt er in Bonn an. Auch Jahrzehnte später erinnert sich der Kabarettist genau. Es ist der Beginn seiner großen Leidenschaft für das Rheinland und dessen Sprache. Beikircher studiert Psychologie, Philosophie und Musikwissenschaften.

Ab 1971 ist er als Gefängnispsychologe tätig, zunächst in Köln-Ossendorf, dann in der Justizvollzugsanstalt Siegburg. Mit vielen Häftlingen klappt die Verständigung nur, wenn Kölsch "jeschwaat weed". Bald ist der Dialekt Beikirchers zweite Muttersprache. Er macht Karriere im Staatsdienst, soll 1986 gar zum Regierungsdirektor befördert werden. Da sagt der 41-Jährige "Enä" und verabschiedet sich von der beruflichen Sicherheit. Seitdem lebt er als freischaffender Kabarettist, Musiker und Autor.

Ein rheinischer Südtiroler

Der gebürtige Südtiroler spricht mehr als nur die rheinische Sprooch. In seinen Kabarettprogrammen setzt sich der Imi auch mit der Seele und der Mentalität des Rheinländers auseinander, wobei er sich als profunder Kenner erweist. Für seine Verdienste um die Mundart und den Erhalt des Dialekts erhält der Wahl-Rheinländer zahlreiche Auszeichnungen: 1988 den Kleinkunstpreis Morenhovener Lupe, 2002 den Friedestrompreis, 2005 den Großen Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland und ein Jahr später den KölnLiteraturPreis. 2012 erhält er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Viva la musica

Beikircher beschränkt sich nicht aufs Kabarett, sondern frönt auch seiner Liebe zur Musik. Er komponiert und er vertont Lyrik des österreichischen Poeten Hans Carl Artmann. Außerdem singt er Lieder und Gedichte vom Rhein, aber auch Hits auf Italienisch von Adriano Celentano. Seine Vorliebe fürs Italienische stößt bei vielen deutschsprachigen Südtirolern auf Vorbehalte, doch das sieht Beikircher gelassen. Das Multitalent verfasst zudem Bücher, vor allem Konzert- und Opernführer. 2012 ist außerdem seine Autobiografie Als Strohhalme noch aus Stroh waren erschienen.

Zicklein auf dem Katharinenhof

Privat hat der in dritter Ehe verheiratete Künstler einige Höhen und Tiefen erlebt. Seine erste Frau litt an Depressionen und beging Selbstmord. Beikircher hat fünf Kinder im Alter von 32 bis 18 Jahren. Die beiden älteren stammen aus der zweiten Ehe. Tochter Mascha (*1990) sowie die Söhne Zeno (*1992) und Konrad-Leander (*1996) sind von ihm und seiner um vierzehn Jahre jüngeren dritten Frau Anne. Sie ist eine angesehene Porzellanmalerin und Glaskünstlerin.

Zusammen mit Anne lebt Beikircher in Bonn- Schweinheim auf dem Katharinenhof, einer früheren Waldschenke. Der Hof macht seinem Namen alle Ehre. Die Beikirchers halten dort walisische Bergziegen, die auch schon Junge bekommen haben. Zicklein Lucky-Lu verstieß die Mutter allerdings. Kurzerhand zog sie Anne Beikircher mit der Flasche groß.

Christ ohne Kirche

"Du musst Vorbild sein, wenn du bekannt bist", betont Beikircher. Daher unterstützt der Künstler seit 1995 den Verein "Leben mit Krebs", der Betroffenen im Rhein-Sieg-Kreis Hilfe und Unterstützung bietet. In Siegburg tritt er dann vor 700 bis 1000 Menschen ohne Gage auf; die Einnahmen fließen an den Verein. Beikircher ist überzeugter Christ, aber er ist ein kritischer Geist und lässt sich nicht verbiegen. Exkommunikation wegen einer gemeinsam empfangenen Kommunion mit einem Protestanten? Das sieht Beikircher anders und tritt aus der Kirche aus.

Trotzdem ist er im Geiste rheinisch katholisch und erzählt in seinem Bühnenprogramm über Heilige, dem Kölsche singe Herrgodd und was sich sonst noch so zwischen Himmel un Ääd abspielt - mit viel Humor und natürlich op Platt. Seine Rheinische Triologie - Rheinländer zählen schließlich anders - umfasst mittlerweile elf Teile. Ein Pflichtprogramm für Kölner, Imis und alle, die einen tiefen Blick in die kölsche Seele werfen wollen.

Autorin: Clivia Kelch-Rade

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