Mariele Millowitsch, Foto: Ilona Klimek
Mariele Millowitsch, Foto: Ilona Klimek

Mariele Millowitsch: Porträt einer Powerfrau

Unabhängig, stark, offen, manchmal eigensinnig und widerborstig, eine Frau, die mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg hält und beherzt zupackt, wenn es darauf ankommt. Das ist die Rolle von Mariele Millowitsch, im Film wie auch im Leben.

Die bernsteinfarbenen Augen strahlen unter der pfiffigen Kurzhaarfrisur. Ein paar blonde Strähnchen fallen ihr keck ins Gesicht. Flott, aktiv, voll mitreißender Energie, so kommt Mariele Millowitsch daher. Der Vorname Mariele ist eine Kurzform für Marie-Luise und den Nachnamen hat das jüngste von vier Kindern vom Vater, dem Volksschauspieler Willy Millowitsch.

Schauspielerin oder Tierärztin?

Der berufliche Weg scheint vorgezeichnet: Vater Willy, Großvater Peter Wilhelm, Tante Lucy, Großtante Cordy, Bruder Peter, alle sind Schauspieler. Schon als Kind steht die kleine Mariele auf der Bühne des im Familienbesitz befindlichen Millowitsch-Theaters, aber sie hat ihren eigenen Kopf und sie liebt Tiere. Nach dem Abitur verlässt die gebürtige Kölnerin ihre Heimatstadt und studiert in München Veterinärmedizin. Doch die Familientradition lässt sie nicht los. 1983 zieht sie wieder ins Rheinland, um am Düsseldorfer Kom(m)ödchen aufzutreten. Danach geht es zurück nach Köln zum heimischen Millowitsch-Theater. Doch der Traumberuf Tierärztin lässt die Vielbegabte nicht los. Ende der 1980er Jahre nimmt sie ihr Studium in München wieder auf und schließt es 1991 mit einer Promotion über Bandscheiben-OPs beim Hund ab. Mit dem Doktortitel in der Tasche zieht Mariele jedoch einen Schlussstrich unter die Tiermedizin und entscheidet sich definitiv für die Schauspielerei.

Mit Nikola zum Erfolg

Zurück in Köln spielt sie auf Theaterbühnen und in Fernsehfilmen. Der Durchbruch erfolgt 1995 mit der Rolle der Marie Malek in der Serie Girl friends, die ihr 1996 den Goldenen Löwen einbringt. Einen noch größeren Erfolg, nicht nur beim Publikum, hat sie als patente Krankenschwester in der Serie Nikola. Die Schauspielerin wird mit Auszeichnungen überhäuft: Sie erhält den Adolf-Grimme-Preis (1998), die Goldene Kamera (2000), den Bayerischen Fernsehpreis (2002) und den Deutschen Fernsehpreis (2003). Nach dem Ende von Nikola ist sie als Die Familienanwältin Hanna Lorenz zu sehen. Seit 2008 verkörpert sie die Kölner Kriminalhauptkommissarin Marie Brand in der gleichnamigen Krimireihe. Mariele Millowitsch freut sich, dass Marie Brand in Köln gedreht wird, denn in ihrer Heimatstadt fühlt sich die Schauspielerin am wohlsten.

Komödiantisches TV-Traumpaar

Mit Walter Sittler, der in Girls friends und Nikola zugleich den Chef als auch den späteren Partner spielt, bildet Mariele Millowitsch nicht nur ein komödiantisches Duo, sondern das TV-Traumpaar schlechthin. Die Chemie zwischen beiden stimmt und sie verbindet eine enge berufliche Freundschaft, auch wenn es privat nie eine Liebesbeziehung gab. Blendend versteht sich die Schauspielerin auch mit ihrem Kollegen Hinnerk Schönemann, der in Marie Brand den Kommissar Jürgen Simmel spielt. Mariele Millowitsch ist Patentante von Schönemanns kleinem Sohn.

Beziehungslos glücklich

Im Privatleben braucht die eigenständige Powerfrau keinen Mann fürs Glück. mit dem Anwalt Alexander Isadi, mit dem sie acht Jahre lang liiert war, wohnt sie in einem Haus der Köner Südstadt, aber in getrennten Wohnungen. „Ich werde als Fräulein diese Welt verlassen“, erteilte sie jeglichen Heiratsgerüchten eine Absage. Seit 2009 ist sie wieder Single. Ihr neuer Schatz, der ständig in ihrer Nähe ist und sie auch am Set begleitet, ist Hund Luigi Klaus, ein Schnauzer-Terrier-Pudel-Mischling. Luigi Klaus folgt Frauchen aufs Wort, macht sogar auf Kommando eine Seitenrolle, lässt sich dafür aber gerne die Treppe hochtragen, weil er Stufen nicht mag.

Sternenhimmel statt Dach

Mariele Millowitsch findet „Altwerden blöd.“ Die 59-Jährige macht keine Pläne für die Zukunft, ist aber optimistisch. „Wenn das Dach über dir zusammenbricht, kannst du die Sterne wieder sehen.“ Die Schauspielerin hat diesen Satz, der ihr in schwieriger Zeit geholfen hat, in ihr Glaubens- und Lebensrepertoire übernommen.

Soziales Engagement ist der Kölnerin wichtig. So hat sie dafür gesorgt, dass eine Frau und ihr kleines Kind buchstäblich wieder ein Dach über den Kopf haben. Als Mariele Millowitsch in der Zeitung über die Wohnungsnot von Flüchtlingen las, die in Turnhallen oder Baumärkten kampieren, handelte sie sofort. Inzwischen hat die Tamilin Twina, die mit ihrem fünfjährigen Sohn aus Sri Lanka fliehen musste, endlich eine Mietwohnung in Köln gefunden, bei Mariele Millowitsch. Mehr noch. Die ehemalige „Krankenschwester“ Nikola ist Schirmherrin der Patientinnentage des Brustzentrums Köln-Holweide und außerdem Mitglied bei Ärzte ohne Grenzen. Die blonde Schauspielerin ist eben nicht nur im Film die Idealbesetzung der aktiven, tüchtigen Frau.

Autorin: Clivia Kelch-Rade

Bewerte diese Seite

 
 
 
 
 
 
 
Bewerten
 
 
 
 
 
 
27 Bewertungen
81 %
1
5
4.05