Peter Stöger (rechts) mit Stürmer Osako, tb
Peter Stöger (rechts) mit Stürmer Osako

Peter Stöger: Coach mit Durchblick

Blaue Augen, graumeliertes Haar, Dreitagebart - eher unauffällig kommt der ehemalige Trainer des 1. FC Köln daher. Doch die markante schwarze Brille ist nicht zu übersehen. Wer Peter Stöger anschaut, merkt sofort: Der Mann hat Durchblick und Weitsicht. Und blieb länger als viele andere Trainer auf seinem Posten. Den räumte er erst am 3. Dezember 2017 nach erfolglosem Start in die Bundesliga.

2013 führte er seinen Heimatverein FC Austria Wien zur Meisterschaft und stand mit ihm vor dem Einzug in die Champions League. Dann wechselte Stöger zum damaligen Zweitligisten Köln für eine Ablöse von 700.000 Euro und die Einnahmen eines Freundschaftsspiels der beiden Vereine. Eine kluge Entscheidung und der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Denn im selben Jahr holte die Mannschaft unter seiner Führung den Herbstmeister-Titel.

Mit Aufstöger zurück in Liga 1

Im Frühjahr 2014 kehrte der Club endlich nach einem Jahr Abstinenz in die erste Liga zurück. Die Kölner erklärten den gebürtigen Wiener zum Helden und verpassten ihm den Namen "Aufstöger". Dem Trainer war der Beiname ein bisschen peinlich. Der Aufstieg sei eine Gemeinschaftsleistung, erklärte er beim SPORT BILD-Award anlässlich seiner Auszeichnung in der Kategorie "Aufsteiger des Jahres".

Der 48-Jährige fühlt sich in Köln sehr wohl. Er mag Kölsch - als Getränk und auch als Bierdusche. Das Rheinland ist zu seinem zweiten Zuhause geworden. Dabei hatte er zuvor nur österreichische Luft geschnuppert. Fußball bestimmt Stögers ganzes Leben. Mit neun Jahren spielte er schon im Jugendteam des Favoritner AC.

Als Erwachsener machte er Karriere im Mittelfeld, war mehrfach Meister und Cupsieger bei Clubs wie Austria Wien und dessen Erzrivalen SK Rapid Wien. Von 1988 bis 1999 lief er insgesamt 65 Mal für die österreichische Nationalmannschaft auf. Er gehörte sogar zum Kader für die WM 1998 in Frankreich und hatte zwei Einsätze - gegen Kamerun und Italien. 2004 beendete Stöger seine Spielerlaufbahn und begann eine neue erfolgreiche Karriere als Sportdirektor und Trainer, die ihn 2013 von der Donau an den Rhein führte.

Sensibler Mann der leisen Töne

Stöger ist ruhig, unaufgeregt, zurückhaltend, ein Mann der leisen Töne. Dass er wie manche seiner Kollegen tobend und wild gestikulierend am Spielfeldrand hin und her rennt: unvorstellbar. "Es muss zwischen Menschen immer ein respektvoller Umgang herrschen", ist seine Devise. Aus diesem Grund stellt er sich auch schützend vor "seine Jungs", wenn sie ausgepfiffen oder angepöbelt werden. Dann legt er sich sogar mit den Fans an, selbst wenn sie ihn wegen seiner engagierten Reaktion für "zu sensibel" halten. Kritik kommt auch von Poldi-Anhängern, die weiter auf eine Rückkehr ihres Stars hoffen. Ihnen missfällt Stögers Meinung, Lukas Podolski passe aktuell nicht in die Mannschaft.

Brille rut-wieß

Fans des 1. FC Kölns liebten Stögers Brille. Nicht die neue schwarze, sondern die alte rot-weiße, die zu den Vereinsfarben des Clubs und den Farben Österreichs passt. Für sie ist das zweifarbige Nasenfahrrad ein Glücksbringer - spätestens seit der Trainer es am 18. Oktober 2014 beim 2:1 gegen Borussia Dortmund und eine Woche später beim Sieg gegen Werder Bremen trug. Also setzte er auf Wunsch vieler Fußballfreunde oft wieder das rotweiße Modell auf.

Höhenflug trotz Höhenangst

"Humor ist wichtig, auch bei der Arbeit", meint Stöger. Privat sorgt Freundin Ulrike Kriegler für gute Laune und singt sogar zum Karneval "Kölle Alaaf". Seit sechzehn Jahren ist der Brillenträger mit der blonden Moderatorin und Kabarettistin liiert. Eines ist sicher: Auch wenn er seinen Posten als Trainer wieder räumen musste, Stöger hat seiner Mannschaft viel Kontinuität gebracht und der Mannschaft 2017 sogar den ziemlich erfolgreichen Fight um den Europapokal ermöglicht. (Clivia Kelch-Rade)

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