Der SchauHoerVerlag im neuen Verlagsgebäude in Pulheim, Foto: tb
Verlagsgebäude SchauHoerVerlag

Die mit Sprachen tanzt: Patricia Hahne Wolter

Den SchauHoer Verlag gibt es seit 2006 in Köln Pulheim. Gründerin und Verlegerin Patricia Hahne-Wolter hat sich auf bilinguale Kinderbücher spezialisiert. Sie setzt dabei auf phantasievolle Illustrationen, dazu zweisprachige Texte und gerne auch auf Reime und Musik. Vor allem Kindergärten und Schulen profitieren von dem Verlagsprogramm, aber auch zweisprachige Eltern.

Am liebsten hört sie Spanisch. Gründerin Patricia Hahne-Wolter (*1965) empfängt uns im lichtdurchfluteten Dachgeschoss ihres Verlagsgebäudes in Köln-Pulheim. Begonnen hat die Geschichte des SchauHoer Verlags im Keller eines Bungalows. Doch jetzt leben und arbeiten Hahne-Wolter, ihr Mann und ihre Mitarbeiter hier, im selbst geplanten Neubau.
Die Inhaberin ist sichtlich stolz auf die Bücher, die ihr kleiner Verlag herausbringt. Und trotz der Liebe zur spanischen Sprache finden sich ebenso polnische und englische Bücher im Programm. Und auch welche mit türkischer Übersetzung. In den Siebzigern, so die Verlegerin, erklärte man den türkischen Einwanderern, sie sollen gefälligst Deutsch sprechen. Darin sieht sie keinen Sinn. Kinder sollen Mehrsprachigkeit „erleben“ und schätzen lernen.

Verlegerin Patricia Hahne-Wolter präsentiert ein Kamishibai (japanische Papiertheater), Foto: tb
Patricia Hahne-Wolter mit Kamishibai (japanische Papiertheater)

Visuelles fördert Sprache

Dass die Frau aus Harburg bei Hamburg dabei an ein visuelles Erleben denkt, liegt sicherlich an ihrer Zeit beim Fernsehen, zuletzt als freischaffende Regisseurin für Grundy UFA.
Die Bilder in ihren Büchern sollen einen Sprachanlass liefern. „Noch immer werden an den Schulen Vokabeln gepaukt,“ so Hahne-Wolter. Sie ist sich sicher: „Leichter geht es mit Phantasie!“.
Schon das erste Buch, erschienen 2007 im SchauHoer Verlag, spiegelt genau dies wider: In „Meine Wörter reisen“ regen die bunten, großformatigen Illustrationen von Christiane Strauss auch die Kleinsten zum Sprechen an. Bei der Auswahl ihrer Illustratoren achtet Hahne-Wolter darauf, dass auch die Bildsprache die kulturellen Unterschiede widerspiegeln. Dass der spanische Künstler keine Schneeflocken malen kann, ist nur eine der täglichen Herausforderungen, denen sie sich stellt.

"Meine Wörter reisen" von Christiane Strauss, Foto: tb
"Meine Wörter reisen" von Christiane Strauß

Lebensfreude in aller Welt

Mit den großen Verlagen mithalten zu wollen, das macht keinen Sinn, so die Verlegerin. Vielmehr ging es ihr bei der Gründung darum, eine „Lücke“ zu finden. Wem Interesse an seiner Herkunft zu Teil wird, der fühlt sich wahrgenommen. Diese Erkenntnis hat Hahne-Wolter bei einem Schüleraustausch im kalifornischen San Diego gewonnen. Die erste Frage war stets: Where are you from? Wo kommst Du her?

Und dieses Interesse an den Mitmenschen möchte sie auch bei ihren Lesern wecken. Das zuletzt erschienene Buch heißt daher „Lebensfreude in aller Welt“- Spiellieder aus 30 Ländern von Wolfgang Hering und ist ebenfalls als CD erhältlich- eingesungen von Muttersprachlern. Dass diese Kombination funktioniert, hat die Verlegerin schon mit ihrem erfolgreichsten Buch erfahren: „Pin Uno Pin Duo Pin tres“- ein Buch mit spanischen Liedern und Reimen von Michaela Schwermann. Dazu die CD von Jazz/ Tango-Duo Thomas Hanz und Sängerin Sónnica Yepes. 

Der SchauHoer Verlag

Die Mutter zweier Kinder ist eine Macherin: Den Verlag führt sie in Eigenregie. Für ihr Verlagsprogramm sucht sie zum einen Bücher ausländischer Autoren, die sie durch Übersetzung Menschen anderer sprachlicher Herkunft zugänglich macht. Zum anderen veröffentlicht sie Werke der deutschen Kinderliteratur in anderen Sprachen.

Unterstützung erhält sie dabei von Frau Temel. Ihr Name hat seinen Ursprung zwar in Österreich, doch im Türkischen ist er ebenfalls bekannt und bedeutet „die Basis, feststehend“. Für die junge Grafikerin mit Handicap, deren berufliche Zukunft in einer Behindertenwerkstatt liegen sollte, scheint allerdings Hahne-Wolter der Fels in der Brandung zu sein: Die war offen für die Anfrage des Projekt-Router e.V.‘s, der behinderte Menschen in der Arbeitswelt unterbringt und begleitet. Einziger Hinderungsgrund an einer Zusammenarbeit hätte eine Katzenallergie sein können, denn zum Verlag gehören Louis und Luna. Zwei gerettete Katzen. Zweisprachig aus Spanien, versteht sich.
Dass es hingegen im Neubau einen Aufzug geben müsse, das war klar, so die Verlagsleiterin.

Julia Schulz im Gespräch mit Frau Hahne-Wolter, Foto: tb
Julia Schulz vom Köln Reporter im Gespräch mit Frau Hahne-Wolter

Interkulturelle Verlagsbuchhandlung

Patricia Hahne-Wolter ist offensichtlich gerne Verlegerin. Messen in Peking besucht sie trotz fehlender Sprachkenntnisse, dass die Partner in Barcelona unter dem Katalonien-Konflikt in Lieferschwierigkeiten geraten und die Druckerei in Israel die Bücherkisten auf mehrere Flüge aufteilen muss- man weiß ja nie, ob alles ankommt. Das gehört eben dazu. Wenigstens ist eine Überschwemmung in dem Büro im Dachgeschoss unwahrscheinlicher, als noch im alten Büro im Keller.

Statt sich von den Bürden des Alltags einschüchtern zu lassen, setzt die Verlegerin noch einen drauf: Ab Sommer startet ihre „Interkulturelle Buchhandlung SchauHoer“ – eine Online-Buchhandlung mit Beratung aus zwölf Jahren Erfahrung mit mehrsprachiger Kinderliteratur.
Aber auch CD’s, Fachbücher für Eltern und Pädagogen und innovative Ideen wie Kamishibais (japanische Papiertheater) oder Spielewürfel können dann direkt beim Verlag erworben werden.

Muttersprache und Gender-Debatte

Sie kämpfe um die Muttersprache, so Hahne-Wolter. Dabei geht es ihr allerdings nicht nur um die Sprache an sich, sondern auch um den Begriff. Die Verlegerin ist bekennende Feministin. Ob man das auch in ihren Büchern erkenne? Nicht mit dem Holzhammer, sagt sie, aber sie will die Rollenbilder der Geschlechter aufbrechen. Die Gender- Debatte ist schließlich genauso aktuell, wie die zum Umgang mit fremden Sprachen und Kulturen.

Ein anderes Klischee hingegen sei ausgesprochen wichtig für Kinder. Das hat sie gelernt aus den Märchen der Brüder Grimm, die ihr Vater ihr vorlas, als sie gerade vier Jahre alt war. Und dass Kinder ihre Bücher beim Anblick des fiesen Jägers auch schon mal verschreckt zuwerfen könnten, das nimmt sie gerne in Kauf. Ein Bild von Gut und Böse- das brauchen Kinder für ihre Entwicklung, so die Verlegerin.

Genauso wie die Freude an den Sprachen und Kulturen dieser Welt. (Julia Schulz)

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