Wenig Elektronik, gute Zukunftsaussichten. Ein Oldtimer in der Werkstatt von Josef Bliersbach, tb
Oldtimer in Köln

15.07.2014

Porsche als Traktor, Käfer als Geldanlage

Er ist Kfz-Meister, hat über viele Jahre hinweg die Schlepper des Kölner Rosenmontagszugs betreut und einen kindersicher umgerüsteten Traktor in den Zoo gestellt. Josef Bliersbach ist so bekannt wie kaum ein zweiter Kölner Autofachmann. Sein Spezialgebiet: Oldtimer. Wir haben mit ihm über klassische Wagen, die Zukunft der Branche und Autos als Wertanlage gesprochen.

Das Original verhüllt eine Plane. Es ist ein Porsche Diesel-Traktor aus den 1950er Jahren. Josef Bliersbach (*1956) zieht sie herunter und erzählt: 1937 schon kam die Idee zu diesem Volksschlepper auf. Doch erst zwischen 1950 und 1960 rollten die Traktoren über den Acker. Vom Bodensee aus eroberten sie zwar nicht die Welt wie die gleichnamigen Sportflitzer. Dafür darf dieser langsamste Porsche aller Zeiten regelmäßig beim Kölner Karnevalszoch mit, dessen Schlepper Bliersbach 15 Jahre lang betreute. Früher, denn heute widmet er sich ganz seiner Werkstatt, einem "Fachbetrieb für historische Fahrzeuge".

Bauernsohn mit Faible für rollende Klassiker

Josef Bliersbach hat aus dem Bauernhof seines Vaters an der Olpener Straße eine Kölner Autowerkstatt gemacht. Bauer sein so nah am Stadtzentrum kam ohnehin nicht mehr in Frage. Spätestens die neue A 4 besiegelte das Ende der Höfe. Der 15Jährige lernte stattdessen Kfz-Elektro-Meister, fuhr mit 18 seinen ersten Käfer und spezialisierte sich auf Oldtimer. In der einstigen Scheune stehen entsprechend schon mal ein BMW 520 aus den 80ern, ein VW Scirocco-Sportcoupé von 1975 oder ein Citroën 2CV alias Ente aus den 50ern. Oder ein Traktor von 1962, den er in diesem Jahr für den Clemensbauernhof im Kölner Zoo hergerichtet hat.

Oldtimer: auch als Geldanlage gefragt, tb
Oldtimer
Josef Bliersbach, tb
Josef Bliersbach

Oldtimer gewinnen an Wert - und werden seltener

Josef Bliersbach fährt lieber 80 km/h in einem Klassiker als 250 in einem Tiefergelegten und weiß: "Von unseren Autos heute wird kaum einer mehr ein Oldtimer sein. Da ist viel zu viel Elektronik drinnen, das ist wie bei den Computern."

Doch die alten Wagen, die hält der Vater zweier Söhne sogar für die beste Geldanlage derzeit: "Geld auf die Bank bringen? Kaufen Sie sich lieber einen günstigen alten Käfer, da haben Sie mehr von." Klingt kurios, stimmt aber. Das Manager Magazin und Die Welt ("Oldtimer, besser als der Dax") beispielsweise wissen: In Zeiten magerer Sparzinsen sind ein alter Golf oder eine Ente der ersten Generation die bessere Anlage. Laut Verband der Deutschen Automobilindustrie preschte der Wert klassischer Autos allein 2013 um satte 8 Prozent nach oben.

Elektro für die Stadt, Wasserstoff für Langstrecken

Und wie sieht die Zukunft der Automobile aus? Josef Bliersbach zieht die Plane wieder über den Porsche-Traktor und sagt: Elektroautos setzen sich im Nahverkehr durch, der Wasserstoff-Antrieb auf langen Strecken. Und die legt auch er selbst schon mal zurück. Wer seit so vielen Jahren Oldtimer restauriert, ist ein begehrter Profi vor Oldtimer-Rennen und ein gefragter Vortragsredner obendrein.

Star beim Rosenmontagszug in Köln: Der Porsche als Schlepper, Foto Tobias Büscher

Sonderwerkzeug keine Gefahr für Werkstätten

Auch über ein ganz anderes Thema müssen wir reden: Große Autokonzerne wollen Modelle herstellen, die nur noch mit eigenem Werkzeug reparierbar sind. Droht damit das Aus für all die vielen Autobastler und selbständigen KFZ-Meister von nebenan? Eine solche Gefahr sieht Josef Bliersbach weder für die Kfz-Werkstätten in Köln noch in NRW und bundesweit. Mechaniker seien pfiffige und innovative Bastler. Und die Autoindustrie schade sich mit solchen Maßnahmen vor allem selber. Sein Argument: Gibt der Käufer eines Audis seinen BMW in Zahlung, hat Audi selbst ein technisches Problem. Denen fehlen dann genauso die Spezialschlüssel wie den freien Autowerkstätten.

Der kuriose VW aus Bogotá

Und dann erzählt der Kfz-Meister noch von seinem kuriosesten Moment, als plötzlich ein VW aus Kolumbiens Hauptstadt Bogotá auf sein Kölner Werkstattgelände gerollt kam: "Ein VW SP2, ursprünglich in Brasilien gebaut, der sah vollkommen anders aus als unsere Volkswagen." Ein solcher kleiner Latinoflitzer ist genauso arbeitsintensiv wie ein Ford Taunus oder ein edler 911. Denn Restaurieren, meint Bliersbach, ist nicht Ersatzteile einbauen. Es ist das Aufbessern bestehender Teile.

Der Fachbetrieb für historische Automobile ist also gefragt wie nie. Doch selbst einem Josef Bliersbach gelingt nicht alles: Der Karnevalsverein Brücker Lumpen, für den er sich mit seiner Frau Ingrid lange engagiert hat, muss nächstes Jahr wohl dicht machen. Wegen Nachwuchssorgen. (Tobias Büscher)

Bewerte diese Seite

 
 
 
 
 
 
 
Bewerten
 
 
 
 
 
 
6 Bewertungen
83 %
1
5
4.15
 
Zählmarke